Auslandssemester 2020

Vorläufiges Ende

Willkommen zurück zu meinem Blog!

Dieser Artikel fällt mir bis jetzt am schwersten zu schreiben, denn ich bin wieder zurück in Deutschland. Die letzte Woche begann wie immer: Ich besuchte die Vorlesungen, traf meine Freunde und von einem auf den anderen Tag hieß es: Die Universität wird vorerst aufgrund des Corona-Virus geschlossen und es geht zurück nach Ostfriesland.

Am Mittwochnachmittag des 11.03 stand ich am Bahnhof in Pécs und begrüßte meinen Freund, den ich sieben Wochen nicht gesehen hatte. Die Freude war riesig. Anschließend gingen wir in das Apartment, welches wir gebucht hatten. Es befand sich mitten in der Innenstadt, ungefähr 2 Gehminuten vom Rathaus und somit vom „Hauptplatz“ entfernt. Ich konnte es gar nicht abwarten ihm die schönen Ecken von Pécs zu zeigen, die ich in den letzten Wochen erkundet und von denen ich immer wieder erzählt hatte. Also machten wir uns auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten der Innenstadt. Dazu gehörte auch die Kathedrale, welche wir kurzerhand erklommen. Vom Kirchturm aus betrachteten wir die langsam untergehende Sonne über den Dächern der Stadt.

Oben im Kirchturm
Die Kathedrale von innen

Nach dem Abendessen in einem meiner Lieblingsrestaurants erhielt ich die Nachricht, dass die Universität bis zum Ende der Woche geschlossen hat. Dadurch wurde unsere Stimmung allerdings nicht verdorben- ganz im Gegenteil. Für mich bedeutete dies, dass ich am nächsten Tag keine Vorlesung hatte und ausschlafen konnte. Zu dem Zeitpunkt war ich noch der Überzeugung, dass die Schließung tatsächlich nur bis zum Ende der Woche sein würde. Donnerstagmittag machten wir uns auf den Weg zum Fernsehturm. Der Turm liegt außerhalb der Stadt auf einem Berg. Die Straße dorthin ist abenteuerlich, aber da ich mittlerweile steile Abhänge und Steigungen gewöhnt war, stellte auch dies kein Problem dar. Oben angekommen mussten wir allerdings feststellen, dass alles geschlossen hatte. Also fuhren wir den Berg wieder ein Stück hinunter und hielten an einer anderen Stelle von wo wir einen wunderbaren Blick über Pécs genießen konnten.

Ausblick vom Berg

Doch die Freude, gute Laune, idyllische Atmosphäre und pure Entspanntheit hielten nicht lange an. Kurz darauf erhielt mein Freund einen Anruf von seinem Bruder. „Wusstet ihr, dass Ungarn die Grenzen um Mitternacht schließt und nur noch drei Grenzübergänge geöffnet bleiben?“. Schock und Sorge machten sich in uns beiden breit. Wir überlegten nicht lange. Wenn die Regierung dies innerhalb so kurzer Zeit beschließt, beschließt sie vielleicht ganz andere Dinge bis morgen. Wir fuhren ins Wohnheim und packten dort alles zusammen. Ich informierte meine Mitbewohnerin, klärte sie auf und verabschiedete mich. Danach fuhren wir ins Apartment, packten dort schnell zusammen, aßen noch etwas und fuhren dann weiter zu meiner Oma. Mir brach es das Herz ihr diese Nachricht überbringen zu müssen. Es flossen Tränen. Ich wollte alles andere als zu fahren. Wir wägten ab, aber entschlossen uns letztendlich doch sofort zu fahren. Nach 16 Stunden Autofahrt kamen wir völlig erschöpft zu Hause an. Es war die spontanste und einer der schwersten Entscheidungen, die ich je treffen musste. Aber es war die richtige. Ich bin unendlich traurig darüber, dass ich nach Hause fahren musste und hoffe wirklich sehr, dass sich die Lage bald beruhigt und ich wieder zurück nach Pécs kann. Im Augenblick sieht das allerdings nicht so aus. Die Universität hat für den Rest des Semesters Online-Kurse eingerichtet. Diese beginnen aber nächster Woche. So habe ich es mir garantiert nicht vorgestellt, aber es konnte ja auch niemand wissen…

Ich möchte diesen Blog gerne am Leben erhalten. Wie und in welcher Form – weiß ich noch nicht.

Bis dahin wünsche ich euch aber alles Gute und bleibt gesund!

Eure, Patrizia

In der Innenstadt
Der Ausblick von unserem Apartment
Der Garten des Apartments
Platz vor der Kathedrale
In dem vorderen Kirchturm waren wir drin
Das Theater
Der letzte Abend

3 Kommentare

  • Elke Bontjer-Dobertin

    Meine liebe Patrizia
    Ich bin mit dir traurig, dass die Zeit so enden musste. Aber ich bin auch heilfroh, dass ihr das noch geschafft habt zu kommen, bevor die Grenzen dicht gemacht wurden.
    Weißt du, in jedem Negativum steckt auch ein Positivum. Manchmal dauert es, bis es zum Vorschein und man dahinter kommt. Ich habe das mehrmals erfahren.
    Es geht weiter.
    Kopf hoch!
    Knuddelgrußkussumarmung
    Deine Oma

    • Patrizia

      Danke für deine aufmunternden Worte! Ich bin selber sehr froh, dass wir es noch rechtzeitig geschafft haben. Zu irgendwas ist das bestimmt gut…ich bin mal gespannt.
      Puszi!

  • Elke Bontjer-Dobertin

    Liebe Patrizia,
    auch jetzt, beim wiederholten Lesen, kommen mir die Tränen und ich fühle Deine Traurigkeit mit. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht.
    Auch, wenn wir uns sonst – in gesunden Zeiten – nicht so oft sehen, ist es mit dem Wissen, die Angehörigen überhaupt nicht zu sehen, nicht umarmen zu dürfen, doppelt schlimm. Ihr fehlt mir alle sehr.
    Mein ganzes Denken geht dahin, dass Ihr hoffentlich gesund seid und Corona einen Bogen um Euch macht.
    Grüß Deine Familie, sei Du und Jens herzlich gegrüßt, mit meinen besten Wünschen für Eure Gesundheit.
    Deine Oma Elke

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