Külföldi Szemeszter 2020

Mohács

Willkommen zurück auf meinem Blog!

Die Woche verging wie im Flug. Am Anfang der Woche standen Vorlesungen, Hausarbeiten und Präsentationen auf dem Plan. Darüber hinaus hatte ich noch einiges an Papierkram zu erledigen. Als ich nach meinem Ungarisch-Unterricht am Donnerstagmorgen das Gebäude verlassen habe, war wieder einmal wunderschönes Wetter. Also beschloss ich die zwei Kilometer bis ins Wohnheim einfach nach Hause zu laufen. Mittags bin ich zu meiner Oma gefahren. Dort habe ich die Zeit und die Ruhe genutzt, alle Aufgaben für die Universität zu erledigen, um am Wochenende mehr Freizeit zu haben.

Am Freitag fand die sogenannte „Flag-Party“ statt. Jeder hat dafür die Flagge seines Landes mitgebracht, um dann so zusammen zu feiern. Die Diskothek war geziert mit fast allen Flaggen dieser Welt. Am Eingang wurde einem zudem die Flagge der eigenen Nationalität auf die Wange gemalt, sodass man sofort wusste, wer aus welchem Land stammt. Das war ein unbeschreibliches Gefühl. So viele Menschen von überall und alle singen dieselben Lieder, tanzen und trinken zusammen. Der Zusammenhalt und das Wir-Gefühl waren einfach unglaublich. Wir waren nur junge Menschen, die zusammen Spaß haben wollten. Gerade wenn man betrachtet, was im Augenblick alles passiert und schiefläuft auf unserem Planeten. Diese Freundlichkeit, der Zusammenhalt und das Wir-Gefühl sind großartig. Ich bin froh das hier erleben zu dürfen und sehen zu können, dass es viele tolerante, herzliche und weltoffene Menschen gibt.

Pécsi Est. die Diskothek in der die Party stattfand

Nachdem ich gegen halb vier im Bett war, habe ich am nächsten Morgen erst einmal ausgeschlafen. Eigentlich hatten wir mit mehreren geplant in den Zoo zu gehen. Allerdings haben alle, bis auf Destin, abgesagt. Nichtsdestotrotz beschlossen wir den Tag zusammen zu verbringen und das sonnige, sowie warme Wetter zu genießen. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an dich, wenn du das liest! Es war leider schon zu spät für den Zoo, weshalb ich ihn von zu Hause abholte und wir in die Stadt gingen, um etwas zu „frühstücken“ (um 14:00 Uhr wohlgemerkt; kleiner Einschub: Destin kommt aus Finnland und studiert mit mir in der Fakultät für Wirtschaft. Er hat sich eine Wohnung in der Innenstadt gemietet und ist einer der wenigen, die nicht in Szánto wohnen). Nachdem unser Hunger gestillt war, machten wir uns auf den Weg in das Vasarely-Museum. Victor Vasarely war ein ungarischer Maler (*1906- † 1997), der die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich gelebt hat. Er ist durch seine besonderen 3D-Zeichnungen und Malereien bekannt geworden. Durch die vielen optischen Täuschungen, die Vasarely in seine Werke eingebracht hat, kamen wir aus dem Staunen gar nicht wieder raus. Das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

Ein Bild von Vasarely- Fun Fact: das hängt auch bei meinen Eltern im Wohnzimmer
Noch ein Bild von Vasarely- hängt auch bei meinem Papa im Büro

Anschließend sind wir durch die Stadt geschlendert. Dadurch, dass Destin an der Stadtführung teilgenommen hat, die vom ESN organisiert wurde, konnte er mir einige schöne Ecken zeigen. Dabei sind sehr schöne Fotos entstanden, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Der Platz gegenüber vom Dom
Der Dom
Ausblick vom Turm der alten Stadtmauer

Am Sonntag fand dann der „Ehök Busójárás“ in Mohács statt. Mohács ist eine kleine Stadt in der Nähe von Pécs, welche sich direkt an der Donau befindet und ist außerdem nur wenige Kilometer von der serbischen Grenze entfernt. Die ganze Veranstaltung wurde als eine Art Karneval tituliert. Aber wenn es um Busójárás in Mohács geht, vergesst einfach alles, was ihr über Karneval wisst. Dazu aber gleich mehr. Vorerst möchte ich noch eine Sache anmerken: Besonders bei dem, was ich gleich erzählen werde, handelt es sich um meine persönliche, subjektive Erfahrung und Meinung. Jeder sollte sich selbst ein Bild machen und seine eigene Meinung bilden. Busójárás ist ein sehr traditionelles und bekanntes Ereignis und für neugierige einen Besuch wert. Mohács wurde damals von den Türken besetzt. Der Legende nach, hatten die Bewohner der Stadt eines Tages aber genug von der Besetzung und verkleideten sich und vertrieben so die Türken aus der Stadt. Zu dem alljährlichen Fest, welches das größte und bekannteste Karnevalsfest in Ungarn ist, ziehen die Männer diese Verkleidung an und laufen so durch die Stadt. Die Verkleidung sieht sehr gruselig aus und wirkt wie aus der Hölle entsprungen.

Die traditionelle Verkleidung beim Busójárás

Das war alles, was wir vor dem Karneval wussten und auch alles, was ich so im Internet zu lesen gefunden hatte. Zudem wussten wir, dass die Männer vorangig die Frauen ein wenig ärgern und sie erschrecken. Uns hat allerdings niemand gesagt, dass die Männer ihre Verkleidungen ausnutzen und komplett über die Stränge schlagen. Im besten Fall umarmen die Männer die Frauen und tanzen mit ihnen. Im schlimmsten Fall, wird eine Frau von mehreren verkleideten Männern umringt und begrabscht. Und mit begrabscht meine ich Brüste, Hintern, Bauch -einfach alles. Sie hören teilweise nicht auf. Auch nicht, wenn die Frau sich wehrt und Stopp ruft. Mich hat auch jemand von hinten gepackt und mir die Arme hinter dem Rücken verdreht, allerdings konnte ich mich wehren und weglaufen. Oftmals haben sie auch lange Ruten dabei, mit denen sie Frauen zwischen die Beine gehen. Nach dem Karneval waren fast alle sehr aufgebracht. Von einigen Ungarinnen habe ich anschließend erfahren, dass die Frauen, die dahin gehen, von dem Verhalten wissen und somit ihr stilles Einvernehmen geben. Darüber hinaus sind sexuelle Belästigung und Gleichberechtigung in Ungarn noch nicht so ein Thema, wie z.B. in Deutschland und anderen westlichen Ländern. Für mich als Frau und Feministin eine sehr unangenehme und unfassbare Erfahrung. Keiner hat uns vorher aufgeklärt und ein „Nein“ wurde selten bis gar nicht akzeptiert.

Zum krönenden Abschluss fand das Feuer statt. In der Mitte des Rathausplatzes war ein riesiges Lagerfeuer vorbereitet worden, welches feierlich entzündet wurde und symbolisch dafür steht den Winter zu verabschieden. Der Anblick, als die Flammen sich in den Nachthimmel erstreckten war wirklich atemberaubend.

Die Verabschiedung des Winters

Eine weitere Woche endet nun und ich habe im Augenblick, aufgrund der Geschehnisse, sehr gemischte Gefühle. Ich würde mich freuen, wenn du als Leser/-in, mich wissen lassen würdest, was du über die Traditionen in Mohács denkst. Außerdem interessiert es mich, worüber du in Zukunft gerne mehr erfahren möchtest. Lass´mir doch gerne einen Kommentar oder eine E-Mail da! Auch über Feedback freue ich mich sehr.

Bis bald,

Patrizia

4 Comments

  • Elke Bontjer-Dobertin

    Moin mein Liebes,
    das war ja wieder ein sehr interessanter Bericht! Dankeschön für Deine Mühe. Das Treiben in Mohacs hat mich sehr an Borkum erinnert. Die Klaasohms sehen ähnlich aus, nur dass sie riesige Hauben aus Möwenfedern über den Köpfen haben. Die Gesichter kann man ebenfalls nicht erkennen. Aber weibliche Personen werden von den mitlaufenden Fängern festgehalten, und mit großen Kuhhörnern wird der Rücken “poliert”. Das habe ich selber erfahren und nicht gewusst, welche Farben die malträtierten Stellen annehmen können. Frauen, die diese Sitte kennen, halten sich lieber fern. Mir war das zwar bekannt, da ich aber herausbekommen hatte, dass der Middelste Klaasohm einer von den Jungens war, die stets bei mir auf dem Hof waren, fühlte ich mich irgendwie sicher. Ich hätte wohl nicht rufen sollen: Hee Atze!! Denn es darf niemand wissen, wer unter den Masken steckt. Das war dann mein Verhängnis. Ohne das hätte ich aber auch nicht erfahren, wie schnell ich laufen und über Gräben und Hecken hüpfen konnte!

    Ich finde, dass jene, die in Mohacs zu dem Spektakel wollten, hätten mit den Gepflogenheiten vertraut gemacht werden müssen. Es ist ein Unding, wie da gehandelt wird. Nur gut, dass das vorbei ist. Hoffentlich hat Dir dieser Schock nicht allzu sehr zugesetzt. Hätte ein Begleiter Dich beschützen können? Warst Du alleine da?

    Patrizia, das, was Du mitteilst, ist so interessant, ich wüsste nicht, worauf Du Dich fokussieren solltest. Schreib so, wie und wonach Dir ist. Ich begleite dich soo gerne bei Deinen Unternehmungen! Liebe Grüße an Mámi und Pápi und Szolt.

    Am Freitag hatten wir eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Museum. Dein Vater, mein Sohn, (mein ganzer Stolz!) hat fabelhaft dargestellt, was einen neuen Vorstand erwartet und zu tun hat. Zu Unserer Begeisterung hat sich Sarah Schweerke zur 1. Vorsitzenden bereit erklärt. Dazu tritt sie vom Pachtvertrag für die Teestube, in dem sie zusammen mit ihrer Schwester vermerkt ist, zurück. Damit wäre der Weg an die Spitze vom MM frei. Es sieht also nicht mehr so düster aus.

    Meine Liebe, ich wünsche Dir sehr, dass Du nicht die Lust am Studium verlierst und gute Leute um Dich hast, damit Du nicht alleine bist, wenn Du was unternehmen willst. Allerbestes wünscht Dir mit herzlieben Grüßen und Kuss Deine OmaElke

  • George

    Hey…thank you again for doing this blog! It’s really awesome for someone like me, who is looking forward to visit Hungary, you r giving a live in experience as on what to expect and what to experience!! Looking forward to more and Keep going!! ✌️

    • Patrizia

      Hey, George. Thank you so much! I´m happy that you like it. If you need any trip advice feel free to ask me. Hope you will enjoy the next articles as well. See you!

  • blog3001

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